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Knapp zwei Wochen vor Beginn der Parlamentswahlen sehen sich die oppositionellen Kräfte des Landes wieder scharfen Repressalien seitens der Regierung ausgesetzt.
Besonders Ayman Nour, Chef der Ghad-Partei, bekommt das zur Zeit zu spüren. Nour, der bei den Präsidentschaftswahlen mit 8 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz gelandet war, wird vorgeworfen, bei seiner Bewerbung zum höchsten Staatsamt Unterschriften gefälscht zu haben. Deswegen wird ihm nun in Kairo der Prozess gemacht, den der Beschuldigte freilich als politisches Manöver denunziert: „Sie bringen mich jeden Tag her. So kann ich unmöglich ernsthaft Wahlkampf betreiben.“
Von seiten anderer oppositioneller Gruppierungen wird sich Nour allerdings kaum Unterstützung erhoffen können. Aus dem sich abzeichnenden Bündnis von Muslimbrüdern, Wafd-Partei, Nasseristen und Kommunisten (alsharq berichtete)wurde seine Partei ausgeschlossen: „Ghad wurde von der Wafd abgelehnt“ kommentierte dazu trocken Nours Stellvertreter Hisham Qassem, womit er auf die Jahrzehnte alte Feindschaft zwischen Nour und Wafd-Führer Numan Gumaa anspielte. Gumaa, so munkelt man bei Ghad, wäre vielmehr froh durch den Prozess gegen Nour bei den Wahlen einen Konkurrenten weniger zu haben.
Die Opposition ist also weiterhin gespalten – und Hosni Mubaraks Nationaldemokratische Partei profitiert davon wohl am meisten. Die Ägypter mögen der Ein-Mann- und Ein-Parteienherrschaft müde sein, eine tragfähige Alternative kann die Opposition in ihrer gegenwärtigen Lage allerdings kaum bieten.

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