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Somalias Staatspräsident Abdullahi Yusuf hat heute die verbliebenen Mitglieder der Übergangsregierung entlassen. Damit ist erneut ein Versuch endgültig gescheitert, erstmals seit dem Sturz des Diktators Siad Barre eine funktionierende Zentralgewalt in dem von Anarchie und Bürgerkrieg gebeutelten Land am Horn von Afrika zu errichten.

„Das aufgeblasene Kabinett von Premierminister Ali Mohamed Ghedi hat während seiner zweijährigen Amtszeit nichts erreicht.“, begründete der 71-jährige Übergangspräsident seine Entscheidung. Gleichwohl solle der gefeuerte Regierungschef binnen einer Woche nach Rücksprache mit Yusuf und Parlamentssprecher Sharif Hassan Sheikh Adan eine neue Regierung bilden. Faktisch kontrollierte die Interimsführung in den 2 Jahren ihrer Existenz kaum mehr als ihren Regierungssitz Baidoa. In den vergangenen Wochen waren Truppen aus dem benachbarten Äthiopien nach Somalia eingerückt um die Position des von Addis Abeba gestützen Yussuf zu stärken. Darufhin waren 20 Regierungsmitglieder entweder zurückgetreten und entlassen worden, ein weiterer wurde vor einer Moschee in Baidoa ermordet. Bei der Bildung eines neuen Kabinetts wird Äthiopien eine gewichtige Rolle mitsprechen.

Die eigentliche Hauptstadt Somalias, Mogadischu, befindet sich ebenso wie weite Teile des Südens unter Kontrolle islamistischer Milizen . Diese werden von vielen Somaliern nach Jahren der Anarchie als neue Ordnungsmacht zunächst mit Wohlwollen betrachtet. Die großen Nachbarn Kenia und Äthiopien sehen ebenso wie die USA den Machtzuwachs der Islamisten mit großer Besorgnis, da sie ein neues Rückzugsgebiet für Terrorgruppen wie al-Qaida am Horn von Afrika heranwachsen sehen, das wegen seiner strategischen Lage auch die Sicherheit in Saudi-Arabien gefährden könnte.

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