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Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy reist heute zu einem Staatsbesuch in die ehemalige Kolonie Algerien. Im Mittelpunkt der Reise stehen Wirtschaftsabkommen mit Frankreichs wichtigstem Handelspartner in Afrika. So will der Energieriese „Total“ 1,5 Milliarden US-Dollar in den Bau neuer Erdölraffinerien investieren. Das Unternehmen „Gaz de France“ will mit einer Milliarde das Gasfeld Touat in der algerischen Sahara erschließen. Mit einem Vertragsschluss zwischen Frankreich und Algerien soll die Versorgung Frankreichs mit Erdgas bis 2019 gesichert werden.

Daneben sollen Abkommen zum Technologietransfer zwischen beiden Ländern geschlossen werden. So verpflichtet sich Paris den Algeriern bei der Entwicklung eines zivilen Nuklearprogramms unter die Arme zu greifen.

Für Aufregung sorgten vor dem heute beginnenden Besuch Äußerungen des algerischen Ministers für Kriegsveteranen Cherif Abbas, der in einem Interview mit der Zeitung „el-Khabar“ folgendes über Sarkozy hatte: „Sie kennen seine Herkunft und sie kennen vielleicht auch die Kreise die ihn an die Macht gebracht haben.[…] Ich meine die jüdische Lobby, die der eigentliche Entscheidungsträger in Paris ist.“

Algeriens Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika distanzierte sich umgehend von den Äußerungen seine Ministers und erklärte dessen Worte „reflektieren in keiner Weise Algeriens Sicht der Dinge.

Dieser jüngste Eklat ist nur die letzte Episode in den französisch-algerischen Beziehungen, die auch 45 Jahre nach Ende der französischen Kolonialherrschaft angespannt sind. Algerische Politiker forderten anlässlich der Visite Sarkozys erneut eine offizielle Entschuldigung Frankreichs für Verbrechen die zwischen 1830 und 1962 von den Franzosen in ihrer einstmals wichtigsten Kolonie begangen wurden. In einem Interview mit der algerischen Nachrichtenagentur APS erklärte Sarkozy, man dürfe die Geschichte zwar „nicht ignorieren“, müsse sich jedoch „der Zukunft zuwenden“ und gemeinsame Erinnerungen „versöhnen“. Bis zu einer Million Algerier verloren im Algerischen Unabhängigkeitskrieg ihr Leben.

Für Aufregung sorgte zuletzt vor zwei Jahren ein von der französischen Nationalversammlung verabschiedetes Gesetz, nach dem die „positive Rolle der französischen Präsenz in Übersee, speziell in Nordafrika“ in Schulbüchern stärker hervorgehoben werden sollte. Die algerische Staatsführung sah darin eine Verharmlosung der Kolonialherrschaft und legte die Unterzeichung eines algerisch-französischen Freundschaftsvertrages auf Eis. Anfang 2006 zog schließlich der damalige französische Präsident Jacques Chirac den Gesetzentwurf zurück.

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