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Ein iranischer Dokumentarfilm über die Ermordung des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat belastet die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Kairo und Teheran. Der Film mit dem Titel „Hinrichtung eines Pharaos“ glorifiziere die Attentäter des 6. Oktober 1981, so die ägyptische Regierung.

„Wir verurteilen diesen Film aus Schärfste. Es ist enttäuschend zu sehen, dass ein muslimisches Land diesen großen Führer, der großartige Erfolge in der ägyptischen Geschichte erlangt hat, angreift“, erklärte Ägyptens Außenminister Ahmed Abul Gheit gestern auf einer Pressekonferenz.

Der iranische Film beleidige Anwar al-Sadat als einen Verräter, der es verdient habe getötet zu werden, da er 1978 das Abkommen von Camp David unterschrieben und ein Jahr später Frieden mit Israel schloss. Der Attentäter, Khaled al-Islambouli soll „Tod dem Pharaoh“ gerufen haben, als er auf Sadat schoss – daher der Titel des einstündigen Films.

Die iranische Regierung bestreitet, dass die Dokumentation die offizielle Position Teherans widergebe. Der Film sei von einer privaten Organisation – dem Weltkommittee zur Ehrung der Märtyrer der Islamischen Wiederauferstehung – produziert worden. Ein Sprecher verwies auf die im Iran garantierte freie Meinungsäußerung.

Iranische Vertreter widersprachen zudem Meldungen, nach denen der Film im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt worden sei. Er sei lediglich auf CDs erhältlich.

Die Beziehungen zwischen Ägypten und dem Iran sind seit der islamischen Revolution gespannt. Revolutionsführer Khomeini kappte die diplomatischen Beziehungen zu Kairo wegen des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages. Anwar al-Sadat revanchierte sich, indem er den gestärzten Shah in Ägypten aufnahm und nach dessen Tod in der al-Rifai-Moschee bestattete. Die iranische Führung wiederum begrüßte das Attentat auf Sadat und benannte anschließend eine Straße in Teheran nach Sadats Mörder Khaled al-Islambouli. Bis heute haben beide Staaten keine Botschafter ausgetauscht.

Sadats Familie erklärte unterdessen, sie behalte sich rechtliche Schritte gegen die Filmproduzenten vor.

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