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Zum mittlerweile 4.Mal veranstalteten am 21. November 2008 das Orient-Institut (OIB), das Institut Francais des Etudes du Proche-Orient (IFPO) sowie die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) das Beirut Media Forum. Das diesjährige Thema „Islamismus und Medien“ ist ohne Zweifel eines der meistdiskutierten und bedeutsamsten dieser Zeit, aber eben auch so weit gefasst, dass es eine Vielzahl verschiedenster Phänomene, Akteure und Sichtweisen beinhaltet.

Der Anspruch der Konferenz bestand dann auch darin, dieses Spektrum soweit wie möglich zu fassen, inhaltlich wie methodisch. Insbesondere sollten akademische und journalistische Standpunkte zusammenkommen, schließlich bearbeiten beide Berufsgruppen dieses weite Feld, ohne sich jedoch allzu oft zu berühren. Die inhaltliche Bandbreite der Konferenz lässt sich schwer in einem Satz zusammenfassen, deshalb seien im folgenden einige markante Beiträge vorgestellt.

Ein sehr brisantes Thema schnitt gleich zu Beginn Fabrice Weissman, Forschungsdirektor bei Ärzte ohne Grenzen, an. Weissman hat für seine Organisation längere Zeit in Darfur gearbeitet und präsentierte eine sehr differenzierte Sicht der Lage. Auf der einen Seite schilderte er eindringlich die katastrophale humanitäre Lage in der Krisenregion und sprach auch explizit von Völkermord. Auf der anderen Seite kritisierte er die mediale Konstruktion der Krise, die den tatsächlichen Gründen für den Konflikt kaum entspräche. Während Darfur in der konventionellen westlichen Berichterstattung, wie auch in der (bisherigen) offiziellen amerikanischen Rhetorik entweder als Schauplatz islamistischer oder aber rassistischer Aggression repräsentiert wird, betonte Weissman die für ihn grundlegenden drei Konfliktlinien: Neben einem Zentrum-Peripherie-Gegensatz, der ja etwa auch für den Süden des Sudan zutrifft, eskalierte in Darfur auch der Gegensatz nomadischer und sesshafter Lebensweise. Insbesondere ging es laut Weissman um Land- und Besitzrechte, die von den marodierenden Reiternomaden auf Kosten der Bevölkerung Darfurs eingefordert werden. Außerdem stehe Darfur im Kontext des latenten Konflikts zwischen Libyen und Tschad, bei dem es auch auch vorrangig um Landrechte gehe. Alles im allem betonte Weissman vor allem geostrategische und weniger ideologische Gründe für den Darfur-Konflikt, machte dabei auf ein grundlegendes Dilemma aufmerksam: Denn ein grundlegend geostrategischer Konflikt mobilisiere wohl weniger Spendengelder, auf die seine Organisation so angewiesen sei, als ein zusätzlich ideologisch aufgeladener.

Die mittlerweile schier unübersichtliche Bandbreite islamischer Sender untersuchte der ägyptische Medienforscher und Journalist Husam Tammam anhand des Satellitenkanals alNas. Kommerz und islamische Mission scheinen hier Hand in Hand zu gehen. Neben religiösen Anrufsendungen werden allerlei nützliche und unnütze Produkte an den muslimischen Mann (und die Frau) gebracht – im Übrigen sehr zum Missfallen der traditionellen religiösen Autoritäten. Schon der populäre Massenprediger Amr Khaled untergräbt seit geraumer Zeit das von ihnen beanspruchte Feld. Ob man hierin auch eine gewisse „Demokratisierung“ der Strukturen religiöser Autorität sehen kann, blieb umstritten. Schließlich, so wandte der saudische Anthropologe Saad Sowayan ein, vertreten die meisten religiösen Fernsehprediger selber ein autoritäres Wertesystem. Zudem, so Sowayan, stehen viele der neugegründeten religiösen Sender unter saudischer Kontrolle und sind dementsprechend stark von der ideologischen Ausrichtung des wahhabitischen Establishments geprägt.

Über den Umgang mit Nachrichten aus dem terroristischen Untergrund diskutierte die dpa-Korrespondentin Anne-Beatrice Clasmann. So fragte sie etwa wie Journalisten auf Erpresservideos, die beispielsweise Enthauptungen oder ähnliche Grausamkeiten zeigten, reagieren sollten. Dabei plädierte sie ausdrücklich für eine stärkere Medienregulierung, vor allem aber für einen journalistischen Verhaltenskodex. Sonst, so Classman, laufen die Medien Gefahr, sich in ihrem Wettlauf um die aktuellsten Meldungen und besten Bilder zum willigen Helfer terroristischer Gruppen zu machen.

Journalisten und Akademiker, so auch der Konsens vieler Konferenzteilnehmer, sollten voneinander lernen. So fehle es journalistischer Berichterstattung oft an Tiefe und Differenzierung, während sich die Islamwissenschaft noch mehr aus ihrem akademischen Elfenbeinturm lösen müsse, um die drängenden Fragen unserer Zeit zu beantworten.

Zum Schluss dieses kurzen Einblicks, der leider nur einen kleinen Ausschnitt der sehr vielschichtigen und kontroversen Diskussionen wiedergibt, noch ein kleiner Kritikpunkt: Obwohl alle Vortragenden über Medien sprachen, verwendete kein einziger selber Medien. Viele Themen hätten dadurch nicht bloß optisch aufgepeppt werden können, vielmehr sind mediale Beispiele essentiell, um die Wirkung von Medien überhaupt verstehen zu können. In jedem Fall wäre, bei allem Respekt vor dem Sachverstand der Vortragenden, eine mediengestützte Präsentation ein erster Schritt, um den selbst gesetzten Ansprüchen gerecht zu werden.

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