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Islamistische Milizen haben in den vergangenen Tagen mehrere somalische Städte eingenommen und marschieren weiter auf die Hauptstadt Mogadischu zu. Die „Shabab“, die jungen Männer, kontrollieren mittlerweile weite Teile Südsomalias. Unter anderem eroberten sie in dieser Woche die Hafenstadt Merka. Anschließend verkündeten sie den Einwohnern, dass dort künftig die Sharia – oder zumindest das, was die Shabab dafür halten – gelten soll.

Merka ist von besonderer strategischer Bedeutung, weil das UN-Welternährungsprogramm den Hafen nutzt um die notleidende Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind in Zentral- und Südsomalia mehr als 400000 Flüchtlinge auf humanitäre Hilfe angewiesen.

al-Shabab sind eine militante Bewegung die aus der „Union der Islamischen Gerichte“ hervorgegangen ist. Diese hatte bereits 2006 weite Teile Somalias unter ihre Gewalt gebracht, bevor die Armee des großen Nachbarlandes Äthiopien intervenierte und die Islamisten bis an die kenianische Grenze zurückdrängte. Anfang 2008 wurden die Shabab von den USA auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt.

Auch jetzt ist die äthiopische Armee der stärkste Widersacher der somalischen Islamisten. Offiziell sind die Äthiopier im Land um die Interimsregierung zu stützen, die das Land formal regiert, deren Machtbereich sich praktisch jedoch nur auf einen Bruchteil des Landes am Horn von Afrika erstreckt.

In einigen Vororten Mogadischus lieferten sich die Shabab bereits Gefechte mit den Äthiopiern, die sie als ungläubige Besatzer bekämpfen. Erst wenn sich die äthiopischen Truppen zurückziehen wollen die Islamisten mit der Übergangsregierung und anderen somalischen Milizen in Verhandlungen über eine Machtteilung treten. Ihr langfristiges Ziel sei es jedoch Somalia unter der Sharia zu vereinen.

Nach den Erfahrungen des Jahres 2006 reagieren viele Somalier gespalten auf eine islamistische Machtübernahme. Zwar sehnen sich viele nach einem Ende der Rechtlosigkeit, die seit mehr als 15 Jahren das Land ergriffen hat. Gleichzeitig üben die Islamisten ein rücksichtsloses Regime aus, in dem „unislamisches Verhalten“ – die Bandbreite reicht vom Fußball gucken bis zum außerehelichen Geschlechtsverkehr – mit drakonischen Strafen belegt wird.

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