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Nach 111 Jahren bricht der FC Barcelona mit einer Tradition. Die Qatar Foundation zahlt 170 Millionen Euro um für fünf Jahre auf dem Trikot der Katalanen zu werben. In Spanien ist die Aufregung groß, einige befürchten Werbung für Islamisten

»Més que un club« – »mehr als ein Verein«. So lautet das Motto des FC Barcelona. Teil dieses Selbstverständnisses der stolzen Katalanen ist es, anders als alle anderen großen Fußballklubs dieser Welt auf Einnahmen durch Trikotwerbung zu verzichten. Ab der kommenden Saison bricht »Barca« mit dieser 111 Jahre alten Tradition. Für 30 Millionen Euro pro Jahr wirbt am Sommer 2011 die »Qatar Foundation« auf der rot-blau-gestreiften Brust von Messi, Xavi, Iniesta und Co. Der Sponsorenvertrag zwischen Kataris und Katalanen läuft bis zum Sommer 2016 und spült inklusive Prämien und Sonderzahlungen insgesamt 170 Millionen Euro in die klammen Kassen des Vereins. Noch nie hat ein Fußballklub durch Trikotwerbung soviel Geld eingenommen. Zum Vergleich: Barcas Erzrivale Real Madrid bekommt pro Saison 23 Millionen Euro von einem Wettanbieter überwiesen, der FCB aus München erhält von einem Telekommunikationsunternehmen pro Jahr eine Million weniger.

Seit 2007 prangte das Logo des UN-Kinderhilfswerks UNICEF auf dem Trikot des FC Barcelona. Allerdings zahlten die Spanier dafür anstatt Geld zu bekommen. Pro Jahr überwies der Verein seither 1,5 Millionen Euro und zusätzlich 0,7 Prozent seines Einkommens an UNICEF. Doch soviel Verzicht kommt Barca teuer zu stehen. Mittlerweile drücken den Verein 430 Millionen Euro Schulden. Bereits in der Sommerpause wurde der Kader deshalb verkleinert, teure Spieler wie Zlatan Ibrahimovic und Thierry Henry abgegeben. Der geplante Ausbau des Stadions »Nou Camp« nach Plänen von Stararchitekt Sir Norman Foster liegt vorerst auf Eis.

Warum sponsert eine gemeinnützige Stiftung einen Fußballverein?

Da kommt die Geldspritze aus Katar gerade recht. Die Qatar Foundation ist eine private, gemeinnützige Stiftung, die 1995 von Emir Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani gegründet wurde und seither Bildungs- und Sozialprojekte in Katar unterhält. Unter anderem kooperiert die Stiftung mit mehreren amerikanischen Universitäten, die sich mit Zweigstellen in der Education City von Doha niedergelassen haben.

Doch warum wirbt die Qatar Foundation nun auf dem Trikot des vielleicht beliebtesten Fußballvereins der Welt? Eine schlüssige Erklärung dafür gibt es bislang nicht, die Skepsis in Spanien ist jedenfalls groß. Normalerweise würden Stiftungen schließlich Gelder einwerben, anstatt sie mit vollen Händen auszugeben, heißt es. Unterschwellig schwelt der Zorn darüber, dass sich Katar innerhalb von nur zwei Wochen erst die WM 2022 und dann mit Barcas blanker Brust eines der Heiligtümer des Weltfußballs gekauft habe. Katars Emir und seine Ehefrau Mozah, die der Stiftung vorsitzt, schweigen bislang zu diesem Thema.

Die ersten zarten Bande zwischen Katar und Katalonien wurden jedoch schon vor einigen Jahren geknüpft. Barcas Trainer, Pep Guardiola, spielte von 2003 bis 2005 bei al-Ahli in Doha und lässt seither keine Gelegenheit aus, das Emirat zu loben. Als offizieller Botschafter der Bewerbung half er erst vor wenigen Tagen mit, die Fußball-WM 2022 nach Katar zu holen. Auch den Sponsorendeal mit der Stiftung unterstützt Guardiola: »Wenn das eine Möglichkeit ist, unsere finanzielle Lage zu verbessern, sollten wir es tun,« so der Coach am Wochenende in einer Pressekonferenz.

»Wir sind vulgär geworden«

Mit dieser Ansicht steht der 39-Jährige jedoch ziemlich allein da. In Spanien hagelt es heftige Kritik an der Entscheidung, nach 111 Jahren Barcas Brust an die Milliardäre vom Golf zu verscherbeln. Vereinslegende Johan Cruyff, der den Verein als Spieler und Trainer an Europas Spitze geführt hatte, ist erzürnt: »Wir haben unsere Einzigartigkeit für sechs Prozent unseres Budgets verscherbelt. Die Entscheidung unser Trikot zu verkaufen zeigt, dass wir nicht mehr kreativ sondern vulgär geworden sind.«

Die renommierte Tageszeitung El Mundo kritisiert: »Der FC Barcelona hat seinen Mythos verkauft!« Noch schlimmer: Nach Ansicht des Blattes wirbt der Verein künftig für islamistisches Gedankengut. Die Zeitung verweist darauf, dass auch der bekannte islamische Rechtsgelehrte Yusuf al-Qaradawi von der Qatar Foundation unterstützt wird. Die von der Stiftung geförderte Education City unterhält seit letztem Jahr ein nach Qaradawi benanntes Zentrum für Islamstudien. Damit werbe der Klub aus Katalonien künftig zumindest indirekt für einen Mann, der Selbstmordattentate gegen Israelis gutheißt und Homosexualität als abartig ablehnt, kritisiert El Mundo.

Die Klubverantwortlichen versuchen zu beschwichtigen. Im Grunde seien sich UNICEF und die Qatar Foundation sehr ähnlich – zwei gemeinnützige Stiftungen, die die Welt verbessern wollten. Zumindest ein bisschen schlechtes Gewissen scheint man mittlerweile jedoch auch beim FC Barcelona zu haben. Vize-Präsident Javier Faus hat bereits einen Kompromissvorschlag skizziert: Wenn künftig das Logo der Qatar Foundation auf dem Trikot prange, solle das UNICEF-Emblem nun auf der Hose Platz finden.

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One Response to “Trikotwerbung beim FC Barcelona: Zwischen Katar und Katalonien”

  1. lynxxx

    Das ist halt öfters das Problem der Perspektive: Jemand, der in unseren westlichen Augen als extrem gilt, ist vielleicht in seinem Kontext vor Ort, verglichen mit anderen dort verbreiteten Meinungen ein eher gemäßigterer…

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