Von | | Hintergrund, Israel, Mashreq.

Israel ist ständig darum bemüht, sein Image in der Welt zu verbessern. Dieses Bemühen ist nicht von Erfolg gekrönt. Negativschlagzeilen überwiegen: Die Gaza-Offensive „Gegossenes Blei“, der mutmaßliche Mossad-Mord in Dubai, die neusten Ausschreitungen in Hebron und Jerusalem – die Liste ließe sich endlos fortführen. Im internationalen Ausland schwindet das Ansehen Israels rapide. Damit soll nun Schluss sein. In der vergangenen Woche begann eine Kampagne, um dem jüdischen Staat zu einem besseren Ruf zu verhelfen.


Und wie soll das funktionieren? Jedes Jahr reisen mehr als drei Millionen Israelis ins Ausland. Die Reiselust seiner Bürger will der Staat nun nutzen. Sie alle sollen Teil der Kampagne sein. Sie alle sollen Botschafter sein. Am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv erhalten ausreisende Israelis Broschüren, in denen erklärt wird, wie im Ausland ein positives Bild von Israel vermittelt werden kann. Die Broschüre enthält unter anderem Informationen über den Umgang mit der arabischen Minderheit im Land, Touristenstätten, Fakten über Kriege und den Friedensprozess sowie Informationen über israelische Erfindungen.
Die Kampagne wurde vom israelischen Informationsministerium initiiert: „Angesichts von Israels negativem Image in der Welt, haben wir erkannt, dass Israel der großen Geldsumme, die den arabischen Ländern für Propaganda zur Verfügung steht, entgegentreten muss, indem es Vorteile aus seinen menschlichen Ressourcen zieht“, erklärte Informationsminister Juli Edelstein laut der Tageszeitung Jerusalem Post.

Satire zur besten Sendezeit

Damit auch jeder jüdische Tourist die Kampagne mitbekommt, laufen seit dieser Woche im israelischen Fernsehen verschiedene Video-Clips . Zu sehen ist da beispielsweise ein britischer Auslandskorrespondent, der von Israels Fortbewegungsmittel Nummer eins berichtet: dem Kamel. Im Hintergrund sind Touristen zu sehen, die einmal auf „Wüstenschiffen“ reiten wollen. Und zwar genau dort, wo die Israelis leben. Richtig, in der Wüste – Satire zur besten Sendezeit. Um auch die zu erreichen, die es nicht vor den heimischen Fernseher zieht, hat man auch eine Internetseite eingerichtet, die – ähnlich der Broschüre am Flughafen – den jüdischen Reisenden auf seine Rolle als Repräsentant des Staates Israel vorbereiten soll. Dort kann man sich beispielsweise in der Rubrik „Landwirtschaft“ darüber informieren, dass Israel eine führende Rolle bei der Erforschung der Forstwirtschaft in mediterranen Gebieten einnimmt. Wen sich ein Reisender jedoch lieber auf die richtigen Antworten zu möglichen Fragen nach der Rechtmäßigkeit der israelischen Grenzziehung nach 1967 erkundigen will, dann findet er die in der Rubrik „Israel in der Welt: Realität und Mythos“ Tipps und Ratschläge: Die UN-Resolution 242 wird hier aus israelischer Sichtweise dargestellt. 

„Herr Botschafter, warum töten Sie?“

Bereits 2009 hatte Israel via Internet versucht, international zu punkten. Bei der Gaza-Offensive „Gegossenes Blei“ wollte man der Welt zeigen, dass – entgegen der Darstellung der internationalen Medien – man stets aufs Neue versuche, zivile Opfer zu vermeiden. Die sogenannte „IDF Spokersperon Unit“ hatte auf der Internetplattform Youtube einen eigenen Kanal eingerichtet, indem beispielsweise die Präzision israelischer Raketen gezeigt wurde. Auf Englisch, Hebräisch, Russisch und auch auf Arabisch kann jedermann die Videos anschauen.
Mit diesen neuen Kampagnen will Israel sein Image weltweit aufpolieren. Politiker und Militärs sind über die schlechte Presse besorgt, die das Land fast tagtäglich produziert. Für sie ist die Medienberichterstattung mit ein Grund dafür, dass antisemitische Vorfälle – besonders in Europa – in den vergangenen Jahren mehr und mehr zugenommen haben. Wie die Haaretz berichtet, häufen sich die Vorfälle besonders in Spanien. Dort sollen nach Angaben der Zeitung Schulkinder aufgefordert worden sein, Bilder und Postkarten an die israelische Botschaft zu schicken, in denen sie ihre Gedanken zu Israel zum Ausdruck bringen sollten. Das Ergebnis: Zu sehen und zu lesen waren weder kindliche Malereien oder nette Botschaften, sondern es trafen Zeichnungen ein, auf denen israelische Soldaten palästinensische Kinder mit Granaten bewerfen und sie in die Luft sprengen. Es soll jedoch auch Zusendungen geben, die nur eine Frage stellen: „Herr Botschafter, warum töten Sie?“




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