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Ein Beitrag von Hannes Alpen und Christoph Sydow 

 Überraschende Entscheidung des Nobelpreiskomitees in Oslo: Die Jemenitin Tawakul Karman gehört zu den drei Frauen, die in diesem Jahr den Friedensnobelpreis erhalten. Damit würdigt das Gremium ihren Kampf für Frauenrechte im Jemen, der lange vor dem Arabischen Frühling begann.

 Eine arabische Aktivistin zählt zu den drei Friedensnobelpreisträgerinnen 2011. Geehrt wurde jedoch keine der im Vorfeld hoch gehandelten Bloggerinnen aus Tunesien und Ägypten, sondern Tawakul Karman, eine Menschenrechtlerin aus dem Jemen. Das Nobelpreiskomitee in Oslo würdigt ihren Kampf für Frauenrechte, Demokratie und Frieden in ihrem Heimatland. Tawakul Karman gehöre zu den Vorkämpferinnen für die Gleichberechtigung der Frauen, ohne die Demokratie und dauerhafter Frieden nicht zu erreichen seien, begründete das Gremium seine Entscheidung.

 Bis vor ein paar Jahren sah man nur ihre Augen. Dann entschloss sich Tawakul Karman, ihrem Protest für Menschenrechte ein Gesicht zu geben und legte den Schleier ab. Die 32-jährige Mutter von drei Kindern geht im Jemen seit 2007 wöchentlich zum Demonstrieren auf die Straße vor dem Regierungssitz. Bereits 2005 hatte Karman die Organisation „Women Journalists Without Chains“ ins Leben gerufen, die sich zunächst für Pressefreiheit, bald aber für sämtliche Formen von Menschenrechten einsetzte. „Man kann ein Recht nicht von dem anderen trennen“, sagt Karman. Und so setzt sie sich für von ihrem Land vertriebene Familien, politische Gefangene, Frauenrechte und die perspektivlose Jugend ein, lange bevor der so genannte Arabische Frühling in Tunesien seinen Anfang nahm.

 Seit Anfang 2011 führt sie den Protest gegen die Regierung des Präsidenten Ali Abdullah Saleh mit an. Dabei orientiert sich die Aktivistin am Vorbild der erfolgreichen Revolutionen in Tunesien und Ägypten. Auch wenn der Jemen von außen betrachtet als rückständige Stammesgesellschaft erscheint, sei ein Wandel zur Demokratie möglich, betont Karman stets. Bei aller Bewunderung für ihren Mut schwingt bei westlichen Beobachtern aber immer auch ein leiser Zweifel mit, denn Karman ist auch Mitglied in der größten islamistischen Partei des Jemen, al-Islah. Ihr Kampf als Frau macht sie in diesem Umfeld jedoch umso mehr zur Heldin. Ein Eindruck, den das Nobelpreiskomitee offenbar teilte.

 Seit heute darf sich die Jemenitin Tawakul Karman mit 32 Jahren die jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten nennen. Die heute Ausgezeichnete ist die vierte arabische Persönlichkeit, die mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird – nach Anwar al-Sadat 1978, Yassir Arafat 1994 und Mohamed ElBaradei 2005. Die mit den damaligen Ehrungen verbundenen Hoffnungen auf einen Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, die Lösung des Palästina-Konflikts, sowie eine Atomwaffen freie Welt haben sich bis heute nicht erfüllt. Tawakul Karman und ihren Mitstreiterinnen im Jemen und dem gesamten Nahen Osten ist eine erfolgreichere Entwicklung zu wünschen.

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