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Szene aus "Das Attentat" Szene aus "Das Attentat"

Ein berühmter libanesischer Regisseur dreht einen preisgekrönten Film über den palästinensischen Widerstand – aber die Arabische Liga verbietet die Vorführung. Jetzt schaltet sich auch die französische Regierung ein. Eine weitere Geschichte über die mitunter absurden Auswüchse des Nahost-Konflikts.

Eines Tages, mitten in der zweiten Intifada, landet auf dem Operationstisch des arabisch-israelischen Arztes Amine der völlig verstümmelte Körper einer Frau – seiner Frau Sihem. Sie hat sich kurz zuvor in einem Straßencafé in Tel Aviv in die Luft gesprengt und mit sich elf weitere Menschen in den Tod gerissen. Zunächst ist Amine wie gelähmt, doch dann macht er sich auf die Suche nach den Gründen. Was trieb seine Frau zu dieser Tat, und warum hatte er davon nichts mitbekommen?

Der 2005 erschienene Roman L’Attentat („Das Attentat“) des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra wirft wichtige Fragen auf und hat dafür auch zahlreiche Preise erhalten. Nun hat der bekannte libanesische Regisseur Ziad Doueiri („West Beirut“) das Buch verfilmt – und da es in Israel und der Westbank spielt, lag es auch nahe, Teile des Filmes dort zu drehen. Aber genau das wird jetzt zum Problem.

Nachdem bereits Ende April das libanesische Innenministerium die Vorführung verboten hatte, ungeachtet einer Sondergenehmigung der libanesischen General Security, zog nun die Arabische Liga nach und verbot den Film in allen 22 Mitgliedsstaaten, wie Ziad Doueiri vergangene Woche bekannt gab. Schon zuvor hatte sich der Libanon geweigert, den Film als „besten ausländischen Film“ bei den Oscars 2012 antreten zu lassen – ungeachtet der Tatsache, dass „Das Attentat“ bereits auf zahlreichen Filmfestivals sehr erfolgreich war und unter anderem beim internationalen Filmfestival in Marakkesch einen goldenen Stern gewonnen hatte.

Der offizielle Grund ist, dass Ziad Doueiri den Film teilweise in Israel gedreht hat, mit israelischen Schauspielern. Damit hat er gegen ein libanesisches Gesetz aus dem Jahr 1955 verstoßen, das Libanesen die Arbeit in Israel verbietet. Theoretisch kann er im Libanon dafür sogar eingesperrt werden. Auch Doueiris Frau wurde schon mit dem Gefängnis bedroht, sollte sie weiterhin den Film ihren Freunden in Beirut zeigen.

Doueiri vermutet jedoch, das Problematische an dem „Attentat“ sei, dass er Israel (wo er übrigens im Juni in die Kinos kommt) nicht dämonisiert, sondern eben einfach eine andere Facette des Konflikts zeigt – eine, in der militante Islamisten die palästinensische Frau einer Gehirnwäsche unterziehen und sie dann für ihre Zwecke in den Tod schicken. „Sie haben sich noch nicht einmal den Film angesehen! Ich finde das dämlich, beleidigend“, sagte Doueiri der Nachrichtenagentur AFP. Gegen dieses Argument spricht aber die Tatsache, dass der Roman „Das Attentat“ noch 2011 in der Heilig-Geist-Universität von Kaslik nördlich von Beirut im Seminar für frankophone Nahost-Literatur behandelt wurde, im gleichen Jahr war auch Yasmina Khadra selbst bei der Beiruter Buchmesse und sprach über das Werk.

Nun jedenfalls gab die französische Ministerin für Frankophonie, Yamini Benguigui, bekannt, dass sie persönlich die Kulturminister der Mitgliedsländer der Arabischen Liga bitten werde, den Film zu zeigen. „Ich muss dafür sorgen, dass der Libanon seine Entscheidung überdenkt und die Vorführung des Films erlaubt. Zum ersten Mal hat ein libanesischer Regisseur dieses Tabu gebrochen und in Israel mit Israelis gedreht!“

Ein Argument, welches das libanesische Innenministerium jedoch kaum überzeugen dürfte.

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