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Die US-Serie Homeland wurde vielfach ausgezeichnet und ist angelehnt an die israelische TV-Serie HaTufim.

Nach 34 Jahren der Anfeindung haben die USA und der Iran einen ersten Schritt zur Beilegungen ihres Konfliktes gemacht – der Diplomatie sei Dank. Die Produzenten der Serie Homeland haben sich allerdings gegen die Diplomatie entschieden. Ein Gastbeitrag von Haydeh Eftekhar

Kurz nachdem die Außenminister der UN-Vetomächte sowie Deutschlands sich in Genf mit der Islamischen Republik Iran auf ein Übergangsabkommen geeinigt hatten, enthüllte der fiktive stellvertretende Direktor der CIA, Saul Berenson, in Homeland seinen genialen Plan: Er werde den Chef der iranischen Revolutionsgarde ermorden lassen, um seinen Stellvertreter in diese Position zu katapultieren und so die Interessen der CIA – vornehmlich den Weltfrieden – innerhalb der Garden zu vertreten.

Für all diejenigen, die Homeland nicht kennen: Die Hauptcharaktere der TV-Serie sind die bipolare CIA-Agentin Carrie Mathison und Marine Offizier Nicolas Brody, der als Kriegsgefangener im Irak zu Al-Qaida übergelaufen ist. Die Handlung der Serie konzentrierte sich zunächst fast ausschließlich auf die angeblichen Machenschaften der Al-Qaida, später rückt dann der Iran ins Visier der TV-CIA. Das brachte der Serie schon einmal den Titel „most islamophobic show on television“ ein. Das mag drastisch klingen, tatsächlich aber sind die in der Serie auftauchenden muslimischen Charaktere größtenteils Terroristen.

So auch der neue Bösewicht der Serie, Majid Javadi, der die Rolle des stellvertretenden Chefs der iranischen Revolutionsgarde innehat. Als Figur ist er skrupellos, gewalttätig und korrupt. Er eignet sich widerrechtlich Gelder seines Arbeitgebers, der iranischen Revolutionsgarde, an und tötet kaltblütig seine Familie.

Der Iran, das wird deutlich, ist in der fiktiven Welt von Homeland der Inbegriff des Bösen und Schlechten. Einer der amerikanischen Charaktere findet es lächerlich, dass Majid Javadi wegen seiner krummen Geschäfte von der CIA erpresst werden soll. Seine Begründung: „Das heißt im Iran doch nur, dass heute Dienstag ist.“ Und so wird knapp 1,5 Millionen amerikanischen Zuschauern gesagt, dass der Iran nicht nur Amerikas geschworener Feind sei („sworn enemies“), sondern Korruption auch etwas ganz Alltägliches im Iran.

Die Serie ist sehr umstritten

Natürlich kann man an dieser Stelle sagen, dass Homeland bloß eine Unterhaltungsserie ist und auch die CIA teilweise im schlechtem Licht zeigt. Nahost- und Medienwissenschaftler aber äußern sich kritisch. So auch Fawaz Gerges, der derzeit den Emirates Chair of the Contemporary Middle East an der London School of Economics inne hat. Für Gerges ist die Darstellung des Irans als Feind sehr problematisch. Er argumentiert, dass diese negative Darstellung das Bild, das Amerikaner vom Iran haben, verstärkt und den Iran als eine feindliche Nation erscheinen lässt.

Man kann durchaus behaupten, dass das negative Bild vom Iran, das man nicht nur bei Homeland, sondern auch in vielen weiteren Filmen zu sehen bekommt, einen Einfluss auf das politische Geschehen hat.

Wie auch David Shariatmadari in einem sehr plausiblen Artikel im Guardian beschrieben hat, ist es politisch relevant, wenn Amerikaner die Darstellung eines psychopathischen iranischen Amtsträgers glaubwürdig finden. Denn dieser einseitige, feindliche Blick auf den Iran und die Auffassung, dass nicht rationale Akteure, sondern Fanatiker die politische Elite bilden, hat dem amerikanischen Kongress die Entscheidung, Sanktionen zu verhängen, einfach gemacht. Wenn Iraner oft genug als irrationale, inhumane Bösewichte dargestellt werden, ist es ein leichtes, Aussagen wie die Zusicherung, keine Atomwaffen bauen zu wollen, als Lügen abzutun. Der Einfluss, den „popular culture“ und die Unterhaltungsindustrie auf die politische Kultur haben, sollte daher nicht unterschätzt werden.

Fern von der Realität, doch dafür sehr beliebt

Es ist befremdlich, zuzuschauen, wie in der fiktiven Welt von Saul Berenson der Chef der Revolutionsgarde von der CIA getötet wird, während in der realen Welt amerikanische und iranische Politiker in Genf diplomatische Siege erringen – Siege für beide Seiten, nicht nur für die CIA. Diplomatie ist in Obamas Lieblingsserie eine ferne Utopie. Die Serie lebt von Paranoia, Erpressung, Spionage und dubiosen Abkommen. Das bringt ihr wöchentlich Millionen amerikanischer Zuschauer und oft mehr mediale Aufmerksamkeit entgegen als den tatsächlichen Geschehnissen im Nahen und Mittleren Osten.

Für viele Zuschauer, die kein Interesse an kritischer Berichterstattung haben, ist diese Art der Unterhaltung eine Art Nachrichtenquelle. Es mag für die Macher der Serie bequem erscheinen, den gesamten Nahen und Mittleren Osten als eine homogene Masse zu zeigen, aber es ist schädlich für die amerikanische Wahrnehmung der Region.

In der letzten Episode wird Saul Berenson von allen Seiten mit Lob überhäuft. Dank seines Geniestreiches hat der Iran eingewilligt, IAEA-Inspektoren Zugang zu den Nuklearanlagen zu gewähren. In der fiktiven Welt von Homeland ist das nur möglich, weil ein korrupter iranischer Amtsträger von der CIA erpresst wird und sich intern für amerikanische Interessen einsetzen muss. Die Fähigkeit, eigenständig diplomatische Entscheidungen zu treffen, wird dem Land dabei abgesprochen.

Doch glücklicherweise leben wir nicht in der fiktiven Welt von Saul Berenson, in der Frieden nur mit Gewalt erreicht wird und zwei CIA-Agenten, kurz nachdem sie den Chef der iranischen Revolutionsgarde getötet haben, eine schnulzige Liebeserklärung zum Besten geben.

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One Response to “Feindbilder: die Darstellung des Iran in der US-Serie Homeland”

  1. RM

    Das ist natürlich ein interessanter Artikel.
    Er wäre aber meiner Meinung nach treffender wenn auch eine vergleichbare Serie aus dem Iran bzw. die dortige Berichterstattung oder Wahrnehmung darür thematisiert werden würde.
    Es ist ja wahrhaftig nicht so, dass die Wahrnehmung oder die Darstellung der USA oder des Westens in Persien irgendwie grundlegender differenzierter wäre als eben hierzulande.
    Von der Propaganda her unterscheiden sich beide Seiten wohl kaum.
    Der Artikel wäre deshalb wesentlich interessanter wenn auch das Bild der westlichen Welt in iranischen Medien thematisiert werden würde.

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