Von | | In Kürze, Syrien.

Das Kampagnenbild, auf dem auf Arabisch „Touristen ohne eine Waffe" steht. Foto: Development Interaction Network.

Tausende ausländische Kämpfer heizen den Krieg in Syrien an. Unter der Intensivierung der Gewalt leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Mit einer landesweiten Plakat-Kampagne unter dem Motto „Kommt uns besuchen, aber ohne Waffen“ werben syrische Aktivist_innen nun gegen die militante Einmischung – und für Geschlossenheit der zivilen Opposition.

Mit der Bilderkampagne „Tourists without a weapon“ verweist das Developmental Interaction-Netzwerk (DIN) syrischer Oppositioneller in seiner ersten Kampagne auf den Umstand, dass sowohl auf Seiten des Regimes als auch seitens der Rebellen immer mehr ausländische Kombattanten kämpfen. Dass sich Syrer_innen an Checkpoints der Regierung oder der Organisation „Islamischer Staat“ von ausländischen Milizionären kontrollieren lassen müssten, sei für die Bevölkerung – unabhängig ihrer politischer Einstellung – inakzeptabel, so das DIN. Die Aktivist_innen des Netzwerks hoffen, mit einer Plakatkampagne möglichst viele Syrer_innen hinter ihrer Forderung vereinen zu können.

 

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Für die Kampagne verwenden die Aktivist_innen selbsterklärende Motive. Der Aufruf wurde in mehrere Sprachen übersetzt, hier ins Türkische. Foto: DIN.

 

Mit der Gründung des Netzwerks DIN in diesem Sommer und der ersten Kampagne, der fortan monatlich weitere folgen sollen, versuchen sich die verbliebenen pro-revolutionären Aktivist_innen in Syrien zu sammeln und zu koordinieren. Zwar gibt es noch vielerorts zivilen Aktivismus in Syrien, angesichts der militärischen, politischen und geographischen Fragmentierung des Landes sind die Aktivist_innen jedoch kaum mehr vernetzt. Mit der Strategie, für die Kampagne landesweit die gleichen Plakate und Graffitis zu nutzen, verfolgt das Bündnis nach eigener Aussage drei Ziele: Die syrische und internationale Öffentlichkeit auf den Zustrom ausländischer Kämpfer aufmerksam zu machen; der Fragmentierung des zivilen Aktivismus‘ entgegen zu wirken; und dem Regime geeint entgegen zu treten. Die wichtigsten Errungenschaften bislang sind Form und Tragweite der Kampagne: Aktivist_innen nutzen eine gemeinsame integrative Symbolik und zeigen, dass es immer noch eine zivile politische Bewegung in Syrien gibt – und das in weiten Teilen des Landes.

 

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Eine Unterstützerin der Kampagne in Kairo.

 

Der syrische Aktivist Ahmad, 30, der seit kurzem in Beirut lebt, ist begeistert: „Die Kampagne zeigt, was die Syrer wirklich von den ausländischen Kämpfern, die auf syrischem Boden ihren Kampf austragen, halten.“ Die Resonanz innerhalb Syriens sei äußerst positiv, viele Menschen aus seinem Umfeld hätten über das Land verteilt von der Kampagne Notiz genommen. Trotzdem gibt er zu bedenken: „Das Chaos, welches wir heute in Syrien haben, zeigt, dass die Lage komplizierter ist als diese griffigen, einfachen Slogans.“

Musa, 26 aus Damaskus und mittlerweile auch in Beirut, sieht das Ausland als wichtigsten Adressaten der Kampagne: „Was passiert ist wichtig. Aber wir müssen uns noch mehr auf das Ausland konzentrieren und die Kampagne dort stärker kommunizieren. Deshalb haben wir den Aufruf in viele Sprachen übersetzt. Potentielle Kämpfer sollen schon ihn ihren Heimatländern verstehen, dass wir sie nicht bei uns in Syrien haben wollen.“

 

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Dieses Kampagnenplakat findet sich im Moment in vielen Städten und Dörfern und Syriens – in diesem Fall über einem Graffiti der Organisation „Islamischer Staat“. Foto: Development Interaction Network.

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