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Das christliche Viertel von Derik. Bild: Marlon Roseberry Bünck Das christliche Viertel von Derik. Bild: Marlon Roseberry Bünck

Marlon Roseberry Bünck besuchte das syrische Westkurdistan/Rojava. Die Bildergalerie zeigt Eindrücke aus der Stadt Derik, die sich in den Wirren des Bürgerkrieges aufmacht beim Aufbau eines neuen kurdischen Staates im Norden Syriens zu helfen.

Seit dem Abzug der syrischen Regierungstruppen haben die Kurden in Syrien/Westkurdistan eine Selbst-Verwaltung etabliert, von der Partei der Demokratischen Union (PYD) dominiert und von den Volksverteidigungseinheiten (YPG) geschützt.

In Rojava werden Anstrengungen unternommen, ein dauerhaft funktionierendes politisches System aufzubauen. Jedoch entspringt viel gestalterischer Geist sehr improvisierten Ideen. Dies beginnt beim Grenzübergang von Kurdistan-Irak nach Westkurdistan/Rojava, ein paar Tische auf der syrischen Seite dienen zur Grenzabfertigung und zwei klapprige Frachboote bringen die Personen über den mächtigen Tigris. Eine Behelfsbrücke ist nur für Konvois und diverse diplomatische Schnellbesuche vorgesehen.

Einst war das christliche Viertel eins der schönsten der Region

Der Weg in das Innere von Westkurdistan führt über eine lange, flache Ebene. Im Dezember ist hier alles kahl und leer, im Frühjahr werden diese Landschaften in ganz andere Farben eintauchen, wenn die Getreidefelder blühen. Die Stadt Derik ist etwa 80 Kilometer von Qamischli entfernt und hat durch den syrischen Bürgerkrieg einen deutlichen Bewohnerwechsel erlebt. Viele sind geflohen, neue sind dazu gekommen. Den arabisierten Namen al-Malikiya benutzt hier niemand mehr; die Stadt ist Zeugnis von der jahrzehntelangen Vernachlässigung kurdischer Städte durch die syrische Regierung. Derik ist eine christlich geprägte Stadt, das christliche Viertel galt einst als eines der schönsten der Region. Wie viele Einwohner die Stadt noch hat, ist durch die Wirren des Krieges kaum noch zu bestimmen; in Häusern, aus denen die Nachbarn geflohen sind, wohnen jetzt Flüchtlinge aus al-Raqqa oder Aleppo.

Derik ist weitgehend von den brutalen Kriegsgräueln verschont geblieben, dennoch wurde die Stadt vor wenigen Monaten Schauplatz eines Autobombenanschlags, mutmaßlich von Dschihadisten begangen. Viele Christen aus der Umgebung kämpfen an der Seite von kurdischen Einheiten gegen die Dschihadisten wie den selbsterklärten Islamischen Staat, an der westlichen Front von Rojava. In Derik haben, wie auch in Afrin und Kobane, die YPG die Verwaltung und staatliche Aufgaben, wie die Polizei und Schulen, übernommen. Sie unterstehen dem ideologischen Ableger der PKK in Syrien, der PYD. Auch während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, einer PYD-Veranstaltung in Derik beizuwohnen. Sie feierten die Errichtung einer neuen Gemeinde. Nach und nach werden Strukturen aufgebaut, um die Gebiete administrativ neu zu gestalten.

Das Embargo trifft auch Rojava

Die Menschen sind froh und aufgeschlossen gegenüber Fremden; selten verirren sich westliche Personen hierher und so hatte ich die Gelegenheit, verschiedene Kämpfer und Organisatoren der Veranstaltung zu befragen und zu fotografieren. Ein freies Kurdistan in Syrien, so hieß es, sei der Traum, auch wenn der offizielle O-Ton lautet, dass die PYD ein freies Syrien mit einem autonomen Kurdistan anstrebe.

Viele Menschen leiden unter dem Embargo, denn Rojava ist zwar ein de-facto Staat, im Sinne des Embargos jedoch Teil von Syrien. Die Nachbarländer, allen voran die Türkei, haben ein Embargo auf den Großteil der Güter und den Personenverkehr aus Rojava verhängt. Viele beschweren sich, dass die Grenzen zur Türkei um ein vielfaches stärker abgesichert sind als jene in die überwiegend arabischen Teile Syriens, bspw. nach Aleppo. Die türkische Regierung versuche mit allen Kräften einen zweiten Kurdenstaat vor der Haustür zu verhindern, so der Konsens unter vielen Teilnehmern.

Auch in Derik lassen sich die Auswirkungen des Krieges spüren: Versorgungsmängel sind an der Tagesordnung. Auffallend gegenüber den syrischen Rebellengruppen ist der traditionell hohe Frauenanteil in den kurdischen Sicherheitskräften. Die kurdischen Frauen sind stolz auf ihre Arbeit und auch die Männer erzählen, dass die Kämpferinnen wie Brüder seien. Insgesamt bildet Rojava einen vergleichsweise sicheren Hafen in einem vom Krieg zerrissenen Land. Die Fotos der Bildergalerie stammen hauptsächlich aus Derik und der Umgebung.

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Weitere Bilder von Marlon Roseberry Bünck sehen Sie auf der Website www.marlonbuenck.com.

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