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Kinder auf den Straßen von Schatila. Foto: Kai Feldheim Kinder auf den Straßen von Schatila. Foto: Kai Feldheim

Die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatila in Beirut: Traurig berühmt seit dem Massaker vor 34 Jahren. Auch heute noch bilden die Camps, die eher eigene Stadtviertel sind, eine eigene Welt mitten in der Metropole. Ein Spaziergang von Bartholomäus von Laffert mit Bildern von Kai Feldheim.

Tschick-Tschack.

„Christ oder Muslim?“

Ali lädt seinen Revolver durch, hält mir die blank gewichste Knarre vor die Nase. Zieht die Stirn hoch, dass die frisch gezupften Augenbrauen klirrend zusammenstoßen. Grinst ein strahlend weißes Straßenkönig-Grinsen.

Dann Stille.

Höre, wie sich die kurzen geeligen Teletubbie-Antennen auf seinem Kopf quietschend zur Sonne drehen. Krrrrgh.

… .

Fuchteln mit der Knarre. Warten.

Warten auf was? Darauf, dass ich kreidebleich werde, mich einnässe? Auf eine Antwort? Dein Ernst, Bruder? Oder soll ich lachen?

Kannste lange warten.

Möchtegern-al-Baghdadi, du. Hatten ein wenig gefeixt, ein wenig diskutiert. Wen wir denn am besten fänden. Daesh, oder Assad, oder Hitler. So wie früher: Ronaldinho, Kaká, Carsten Ramelow?

Ali meinte, er findet Daesh eigentlich ganz gut. Ich fand Carsten Ramelow besser. Dann kam die Knarre ins Spiel.

Stopp jetzt Ali, lass den Scheiß, die Greenhorns halten uns noch für Wilde!

waren?“. Stolzes Grinsen. „Schatila, sie waren aus Schatila!“

Ich gucke dämlich, als hätte mir jemand ein Blitzgerät vor die Pupille gehalten.

Geboren in Schatila. Gestorben in FFB.

Sein Schatila. Mein FFB.

Es gibt Dinge, die kannst du dir nicht ausdenken. Und es gibt Schatila.

Bartholomäus von Laffert ist freier Journalist, er lebt in Wien. Dieser Text erschien zuerst auf seinem Blog. Man kann ihm auch auf Twitter folgen.

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