Von | | Alsharq-Veranstaltung, In eigener Sache.

Viele Beiträge und Serien im Blog, etliche Veranstaltungen mit vielen BesucherInnen, dazu noch ein neuer Vorstand und die Arbeit an einer neuen Website: Der Verein Alsharq e.V. blickt auf ein bewegtes Jahr zurück – und bedankt sich bei allen, die ihn unterstützen!

Liebe Fördermitglieder, liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde von Alsharq e.V.,

Blickt man zurück auf die politischen Entwicklungen des Jahres 2017, so muss man sagen, dass diese – leider – von relativer Kontinuität geprägt waren. Die Konflikte in vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wurden auf unterschiedliche Weise, doch stets mit ungeminderter Brutalität, fortgeführt. Rechtspopulistische Parteien und Politiker  gewannen in Europa und den USA weiter an politischem Einfluss. Und eine Vielzahl an Terroranschlägen – ob religiös oder rassistisch motiviert – dominierten  aufs Neue die internationalen Schlagzeilen.

Vorurteile, Angst und Unwissen bilden dabei  den gesellschaftlichen Nährboden für diese Kontinuität hierzulande – und dem sind wir bei Alsharq mit kontinuierlichem Engagement für unabhängigen Journalismus und fundierte Bildungsarbeit entgegengetreten.

Für Alsharq war das Jahr 2017 jedoch auch von Veränderungen und Weiterentwicklungen geprägt, sowohl auf organisatorischer als auch inhaltlicher Ebene. Bei unserem Jahrestreffen haben wir nicht nur einen neuen Vorstand gewählt (an dieser Stelle nochmals eine tiefe Verneigung angesichts des großartigen Engagements der ehemaligen Vorstandsmitglieder!), sondern auch eine inhaltliche Weiterentwicklung beschlossen. Zukünftig möchten wir mit Alsharq konkret den postkolonialen Diskurs im deutschsprachigen Raum voranbringen und mitgestalten. Im Rahmen dieses Prozesses haben wir uns erstmals – dank einer durch Eure Beiträge finanzierten Honorarkraft – auf größere Fördersummen beworben. Mit einer Entscheidung rechnen wir im Frühjahr.

Parallel dazu arbeiten wir mit viel Energie an der neuen Alsharq-Website, von der wir hoffen, dass wir sie bald freischalten können; intern laufen die Vorbereitungen hierfür schon seit Monaten auf Hochtouren. Und auch die internen Kommunikationsstrukturen haben wir umgestellt, sodass wir noch transparenter und effizienter kommunizieren und wachsen können.

Denn wachsen wollen wir. Und dies können wir auch dank der kontinuierlichen Unterstützung unserer vielen Fördermitglieder, für die wir sehr herzlich danken.

Was wir in diesem Jahr konkret noch so alles auf die Beine gestellt und erreicht haben, könnt Ihr in diesem Bericht nachlesen. Wir hoffen, Ihr alle hattet frohe und besinnliche Feiertage und wünschen Euch einen guten Rutsch in das neue Jahr, welches hoffentlich viele Veränderungen zum Positiven mit sich bringt.

Bodo, Daniel, Laura und Tobi – für den Alsharq e.V. Vorstand

 

Verein

Zum Jahresende 2017 hat der Verein 111 Mitglieder und Fördermitglieder (16 Mitglieder, 95 Fördermitglieder), das sind immerhin sieben mehr als 2016 (90 Fördermitglieder und 14 Mitglieder). Trotz der hohen Ausgaben steht der Verein finanziell weiterhin gut da.

Die Fördergelder verwandten wir größtenteils für unsere Blog-Koordinationsstelle, eine Investition, die sich angesichts des tollen Engagements und der professionellen Arbeit unseres Blog-Koordinators Bodo Straub in jedem Fall lohnt. Darüber hinaus flossen Fördermittel in unsere neue Website, in die Organisation unseres jährlichen „Summits“, der dieses Jahr in Wiesbaden stattfand, in das Gehalt unserer Honorarkraft, die uns beim Schreiben des bereits erwähnten Projektantrags unterstützte, sowie in Verwaltungskosten (Buchhaltung, Steuerberatung, Porto etc.).

Die Besetzung des Vorstands von Alsharq e.V. hat sich seit dem Sommer geändert: Neben den „alten Hasen“ Bodo Straub und Tobias Pietsch sind nun Daniel Walter und Laura Overmeyer im Vorstand aktiv. Hauke Waszkewitz, der zwischenzeitlich auch Teil des Vorstands war, hat im November aus persönlichen Gründen sein Amt niedergelegt. Eine Nachfolge wurde bisher noch nicht eingesetzt.

Geändert hat sich in diesem Jahr übrigens auch unsere Vereinsanschrift: Wir sind nun zu finden am hippen Paul-Lincke-Ufer 41 in Berlin-Kreuzberg im Coworking-Space der Wildcorn GmbH. Die Postleitzahl ist aber gleich geblieben – 10999.

 

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Blog

Als “Herzstück” bezeichnen die Sharqistinnen und Sharqisten gerne den Blog, und da ist es nur logisch, dass wir auch 2017 die meiste Zeit, Arbeit und Geld in dieses Projekt gesteckt haben. Mit Nachrichten, Analysen, Interviews, Presseschauen, Rezensionen und Kommentaren, vor allem aber mit viel persönlichem Engagement haben wir auch dieses Jahr wieder über unsere Schwerpunktregion berichtet. Rund 125 Beiträge sind erschienen, etwas mehr als in den Jahren zuvor. Aber eine andere Zahl ist uns wichtiger: Mehr als 80 Menschen haben an diesen Beiträgen mitgewirkt, viele davon aus dem Nahen Osten. Ein wichtiges Indiz für uns, dass es uns immer besser gelingt, ein Mitmach-Projekt zu sein, das Grenzen und die Dichotomie zwischen “hier” und “dort” überwindet. Und wir laden natürlich auch Euch herzlich ein, mitzumachen, mit uns zu diskutieren und gemeinsam die deutschsprachige Berichterstattung ein kleines bisschen zu bereichern.

Im Sommer haben wir auch den Vertrag mit Blog-Koordinator Bodo Straub verlängert, den wir über die Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzieren.

Inhaltlich haben wir 2017 einen großen Schwerpunkt auf den fünfzigsten Jahrestag des Kriegs von 1967 gelegt. Mit einer umfassenden Serie, die immer noch weiterläuft, betrachten wir die Ereignisse von damals und ihre Auswirkungen auf heute. Alle Beiträge findet Ihr hier. In einer weiteren kleinen Artikelserie haben wir außerdem aufgezeigt, welche Möglichkeiten gerade externe Akteur_innen haben, um den israelisch-palästinensischen Friedensprozess wieder in Gang zu bringen – nachdem Verhandlungen offenbar in einer Sackgasse stecken. Die Beiträge findet Ihr hier auf dem Blog oder könnt sie hier als PDF herunterladen (auf Englisch).

Aber auch aktuelle Ereignisse – sei es die Bundestagswahl und die Reaktionen darauf, oder der zwischenzeitliche Rücktritt des libanesischen Premiers – haben wir aufgegriffen.

Zum Schluss hier nochmal zum Nachlesen: Die Geschichten aus dem Jahr 2017, die am meisten Leserinnen und Leser gefunden haben:

 

Veranstaltungen

Insgesamt 16 Veranstaltungen mit über 700 Gästen hat Alsharq e.V. im Jahr 2017 entweder eigenverantwortlich durchgeführt oder inhaltlich ausgefüllt. Die Veranstaltungen haben teils in deutscher, teils in englischer oder arabischer Sprache stattgefunden, sodass wir uns darüber freuen können, ein diverses Publikum erreicht zu haben; ein Ansatz, den wir künftig weiter ausbauen wollen. Auch hinsichtlich der Formate konnten wir Vielseitigkeit beweisen: Sowohl klassische Vorträge samt Diskussion als auch Buchvorstellungen, Tagesseminare, Filmvorführungen oder Workshops zählten zum Veranstaltungsportfolio von Alsharq e.V. im Jahr 2017. Eine vierteilige Reihe zum “Urbanen Nahen und Mittleren Osten” beleuchtete Themen der Stadtentwicklung und damit zusammenhängender Herausforderungen anhand ausgewählter Beispiele.

Für das Jahr 2018 sind wir bereits in einer Vielzahl von Gesprächen mit Partnerorganisationen, um wiederum Themen in die Öffentlichkeit zu tragen, die sonst wenig Beachtung finden: Im ersten Halbjahr werden somit unter anderem wir in einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe die Probleme und Hintergründe zur deutschen Berichterstattung zu Nordafrika und Westasien unter die Lupe nehmen und kritisch diskutieren. Bereits fest steht außerdem eine Fortführung der Herbstreihe zum Urbanen Nahen und Mittleren Osten: Am 6. Februar 2018 wird sich Raffael Beier von der Ruhr-Universität Bochum bei einem Vortrag in Berlin den Stadtentwicklungspolitiken in Casablanca widmen. Außerdem geplant sind Filmvorführungen, Buchvorstellungen und mehr Kooperation mit Studierenden und Lehrenden an Universitäten. Es bleibt also spannend!

 

Überblick der durchgeführten Veranstaltungen:

  1. Februar 2017, Berlin

“Palestine and Israel – 50 years of occupation: What ways forward for nonviolent Palestinian and Israeli resistance?” – Diskussionsveranstaltung

In Kooperation mit Youth Against Settlements und Combatants for Peace

Zum Auftakt des Jahres, in dem sich der Sechs-Tage-Krieg von 1967 und damit die Besetzung von Westbank und Gazastreifen zum 50. Mal jährt, diskutierte Alsharq mit palästinensischen und israelischen Aktivist_innen: Wie kann gewaltloser Widerstand zukünftig aussehen? Eingeleitet wurde der Abend durch einen Vortrag über die Genese gewaltlosen Widerstands in der Region von René Wildangel, ehemals Leiter der Böll-Stiftung in Ramallah. Es folgten Inputs der Referentinnen Ayatt Jabari und Sundus Azzeh von Youth Against Settlements (YAS) sowie Suleiman Khatib & Yoni Yahav von der Organisation Combatants for Peace (CfP). Zum Abschluss diskutierten die zahlreichen Zuhörer_innen angeregt mit den Gästen aus Israel und Palästina. Es kamen ca. 150 Gäste.

Zum ausführlichen Veranstaltungsbericht

Organisation: Lea Frehse (Alsharq e.V.), Moderation: Christoph Sydow (Alsharq e.V.)

Sundus Azzeh (Youth Against Settlements) in der Diskussion mit dem Publikum. Foto: Eva Sperschneider

Sundus Azzeh (Youth Against Settlements) in der Diskussion mit dem Publikum. Foto: Eva Sperschneider

 

  1. Mai 2017, Akademie Villigst, Schwerte

„Zur Genese und Ausprägung einer palästinensischen Nationalidentität im Kontext des Nahostkonflikts“ – Seminar

Seminar auf Einladung der Akademie der Evangelischen Studienstiftung Villigst

Referent Christoph ging in seinem einführenden Vortrag auf die verschiedenen Referenzrahmen der jüngeren Geschichte ein, die eine politische palästinensische Identität prägen. Im Zentrum stand dabei die Frage, inwiefern die zionistische Nationalbewegung die Ausbildung einer palästinensischen Identität beeinflusste. Nach einer ausführlichen Frage- und Antwortrunde blickten wir gemeinsam auf die wichtigsten palästinensischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Bewegungen. Deren Programmatiken analysierten wir, um die in Palästina dominanten politischen Identitäten besser verstehen zu können. Das Seminar hatte zwölf Teilnehmer_innen.

Referent: Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. – 19. Mai 2017, Berlin

“Deutsche Welle Mediendialog” – Workshop arabischer und deutscher Journalist_innen

Wie unterscheidet sich die Arbeit von Journalist_innen im arabischen Golf und in Deutschland? Welche Einschränkungen gibt es für die schreibende Zunft? Wie können sich Journalist_innen vor (staatlicher) Zensur schützen? Und was sind journalistische Standards und Werte, die die Teilnehmenden unabhängig vom Wirkungsort teilen? Diese und weitere Fragen beschäftigten etwa 15 Journalist_innen aus Deutschland, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, VAE und Oman. Während des kritischen Austauschs entstand ein gemeinsamer Blog: http://akademie.dw.com/gulfgermany/. Sharqist Christoph vertrat dabei Alsharq als junges, deutschsprachiges Internetmedium. Der Dialog erlebte im Dezember eine zweite Runde in Kuwait (s.u.).

Verantwortlich: Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. Mai 2017, Berlin

“Writing on the City – Street Art in Iran” – Film-Screening mit Podiumsdiskussion

Wer schon einmal in Teheran war, kennt die Szene: Wandmalereien, Poster, Werbebanden, Graffiti – die iranische Hauptstadt ist eine einzigartige Leinwand für verschiedenste Bildformen. Ihren Entwicklungen während der vergangenen vierzig Jahren widmet sich Keywan Karimis Dokumentation „Writing on the City“ (Neveshtan bar shahr, 2016), die Alsharq in Berlin vorführte. Dem Film voran ging ein einführender Vortrag, es folgte eine Diskussion. Rund 50 Gäste kamen zum Screening.

Zum Veranstaltungsbericht

Verantwortlich: Maryam Roosta, Daniel Walter, Christoph Dinkelaker, Tobias Pietsch (Alsharq e.V.)

 

  1. Juni 2017, Berlin

„The Political Economy of Hisbollah“ – Podiumsdiskussion

In Kooperation mit dem Bibliotheksprojekt بيناتنا/ Baynetna

"Unsere Gegner sind gut organisiert; wir müssen lernen, uns ebenfalls effektiv zu organisieren", sagte Joseph Daher (Mitte) bei der Veranstaltung zur Hisbollah. Links Christoph Dinkelaker, rechts Ansar Jasim. Foto: Tobias Pietsch

„Unsere Gegner sind gut organisiert; wir müssen lernen, uns ebenfalls effektiv zu organisieren“, sagte Joseph Daher (Mitte) bei der Veranstaltung zur Hisbollah. Links Christoph Dinkelaker, rechts Ansar Jasim. Foto: Tobias Pietsch

Vortragender Gast für diese Podiumsdiskussion war Joseph Daher, syrisch-schweizerischer Sozialwissenschaftler, Gründer des Blogs „Syria Freedom Forever“ und Verfasser des Buchs The Political Economy of Hisbollah. Daher stellte die Inhalte seines Buches vor und stellte sich anschließend den Fragen des eines auch von arabischsprachigen Teilnehmer_innen geprägten Publikums. Die Veranstaltung fand auf Englisch und Arabisch mit Übersetzung statt. Es kamen etwa 75 Gäste, darunter etwa 30 arabischsprachige Teilnehmer_innen.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Ansar Jasim und Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. Juli 2017, Leipzig

„Die iranische Linke – Geschichte und Perspektiven“ – Vortrag

In Kooperation mit dem Orientalischen Institut der Universität Leipzig

Ein vermeintliches Paradoxon kennzeichnet die iranische Linke: Obwohl sie zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte formell die Staatsmacht innehatte, gehören linke Bewegungen zu den herausragenden Akteuren Irans und haben dessen Geschichte im 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt. Der Vortrag versuchte sich an einer Einordnung dieses Diskurses. Der Fokus lag hierbei auf einem historischen Abriss linker Bewegungen und Parteien und den nationalen sowie internationalen Rahmenbedingungen ihres Handelns. Politische und wirtschaftliche Aspekte spielten hierbei ebenso eine Rolle wie soziokulturelle Hintergründe und die philosophischen Einflüsse der Zeit.

Verantwortlich: Daniel Walter (Alsharq e.V.)

 

  1. August 2017, Berlin,

“Palästinenser*innen in Syrien: Die Nakba – Erinnerungen im Wandel”

In Kooperation mit Beynatna (Between Us)

Anaheed Al-Hardan gibt in ihrer Arbeit provokative Antworten auf scheinbar einfache Fragen. Foto: Tobias Pietsch/Alsharq

Anaheed Al-Hardan gibt in ihrer Arbeit provokative Antworten auf scheinbar einfache Fragen. Foto: Tobias Pietsch/Alsharq

 

Die Flucht im Jahr 1948, die sogenannte Nakba, ist für viele palästinensische Flüchtlingen identitätsstiftend. Doch bedeutet die Erinnerung daran für alle das gleiche? Und wie verändert sich diese Bedeutung gerade in Syrien seit Kriegsausbruch 2011? Anaheed al-Hardan, Soziologieprofessorin an der American University of Beirut, hat diese Frage untersucht und ihre Ergebnisse zusammen mit Alsharq in Berlin vorgestellt. Rund 60 Personen nahmen an der Veranstaltung teil.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Ansar Jasim (Alsharq e.V.)

 

  1. bis 23. September 2017, Berlin

“Plurale Gesellschaft: Vielfalt, Religionsfreiheit, Minderheiten und Menschenrechte in Deutschland” – Seminar

Im Auftrag des Internationalen Parlaments-Stipendiums Sonderprogramm Arabische Staaten des Deutschen Bundestags

25 junge Menschen aus Ägypten, Algerien, dem Irak, Jemen, Jordanien, Libanon, Marokko, dem Oman, den Palästinensischen Gebieten, Syrien und Tunesien diskutierten unter anderem die Menschenrechtssituation in Deutschland und in den arabischen Staaten. Am zweiten Tag besuchte die Gruppe eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge um Eindrücke zu relgiöser Vielfalt in Berlin zu bekommen. Am letzten Tag stand ein Planspiel zur Aufnahme von Geflüchteten in einem fiktiven Landkreis auf dem Programm. Alsharq hatte an den drei Tagen die Seminarleitung inne. Eine palästinensische Teilnehmerin engagiert sich mittlerweile bei Alsharq, eine weitere Teilnehmerin aus Ägypten hat einen Artikel zum Blog beigetragen.

Verantwortlich: Christoph Dinkelaker und Ansar Jasim (Alsharq e.V.)

 

  1. September 2017, Berlin

“Teheran – Metropole am Limit?” – Der Urbane Nahe und Mittlere Osten Teil 1/4

In Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Probleme wie steigende Mieten, Umweltverschmutzung oder soziale Ungleichheit stellen Metropolen weltweit vor ähnliche Probleme. In einer Veranstaltungsreihe beleuchtet Alsharq exemplarische Fälle aus der Region. Die Auftaktveranstaltung beschäftigte sich mit der iranischen Hauptstadt Teheran – eine junge Metropole, die dennoch bereits gravierende Umwälzungen erlebt hat. Rund 50 Gäste wohnten dem Vortrag bei, in dessen historischen Abriss das Ausmaß beschrieben wurde, mit dem die Herrscher Irans seit Mitte des 19. Jahrhunderts Teheran immer wieder zur Projektionsfläche ihrer Macht machten und die Stadt umgestalteten. Das atemberaubende Bevölkerungswachstum seit der Mitte des 20. Jahrhunderts wird gemeinhin als wichtiger Bestandteil der vorrevolutionären Entwicklungen beurteilt. Die sozialen, städtebaulichen und ökologischen Probleme der modernen Großstadt wurden abschließend beleuchtete, Alternativen aufgezeigt und in der Runde lebhaft diskutiert.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Daniel Walter und Amina Nolte (Alsharq e.V.)

 

  1. Oktober 2017, Berlin

“Urbanes Kurdistan – Krieg in den Bergen, Shopping in den Städten” – Der Urbane Nahe und Mittlere Osten Teil 2/4

In Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Referentin Schluwa Sama. Foto: Daniel Walter

Referentin Schluwa Sama. Foto: Daniel Walter

 

Der zweite Teil der Veranstaltungsreihe untersuchte die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Entwicklung, Kriegen und sozialer Ungleichheit in Irakisch-Kurdistan. Schluwa Sama, die an der Universität Exeter zur Politischen Ökonomie der Autonomen Region in Irak promoviert, präsentierte den rund 50 Gästen hierbei eine Vielzahl von Einblicken, die sie während ihrer langjährigen Arbeits- und Forschungsaufenthalte gesammelt hat.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Daniel Walter (Alsharq e.V.)

 

    1. Oktober 2017, Berlin

“Zwischen informellen Gebieten und Luxusprojekte: Phänomene der ägyptischen Stadtentwicklung” – Der Urbane Nahe und Mittlere Osten Teil 3/4

In Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Ägypten ist das bevölkerungsreichste Land der MENA-Region. Von den über 90 Mio. EinwohnerInnen leben geschätzte 20 Mio. in der Metropolregion Kairo. Der Weltbank zufolge wohnen insgesamt 42% der ÄgypterInnen in Städten – Tendenz rasant steigend. Der Urbanisierungsdruck führt v.a. in Kairo zu erheblichen Agglomerationskosten: die Stadt versinkt im Verkehrschaos, informelle Siedlungen breiten sich in das lebenswichtige Agrargebiet des Nildeltas aus, Smog und andere Umweltverschmutzungen sorgen für erhebliche Gesundheitsrisiken. Als Gegenmodell zur scheinbar dysfunktionalen Metropole vermehrt sich ein neuer Typus städtischer Siedlungen, sogenannte private integrated communities. Sie sind eine radikale Weiterentwicklung der gated communities, die sich durch ein Komplettangebot städtischer Dienstleistungen auszeichnen, inklusive Schulen, Krankenhäuser, Sportangebote, Gewerbegebiete, und gemeinschaftliche Einrichtungen. Felix Hartenstein von der TU Berlin schilderte den rund 50 Gästen anhand des Beispiels der Küstenstadt El Gouna am Roten Meer sowie anderer gated communities in Ägypten die Entwicklungen der Stadt im Land.

Verantwortlich: Amina Nolte (Alsharq e.V.)

 

  1. Oktober 2017, Berlin

Ansätze und Instrumente zur Beendigung der Besatzung und zum Erreichen eines israelisch-palästinensischen Friedens“ – Fachtag

In Kooperation mit der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)

Gemeinsam mit der den Bundestag und die Bundesregierung beratenden Stiftung Wissenschaft und Politik organisierten wir einen Fachtag zu Israel und Palästina. Vor dem Hintergrund des festgefahrenen israelisch-palästinensischen Friedensprozesses und der Verfestigung der Besatzung diskutierten etwa 25 Personen in vertraulichem Kreise über Instrumente, die Deutschland und seinen europäischen Partnern zur Verfügung stehen, um auf eine Beendigung der Besatzung und Frieden zwischen Israelis und Palästinensern hinzuwirken. Die Referent*innen der Veranstaltung veröffentlichten im Anschluss an den Fachtag bei Alsharq Artikel zu den politischen Ansätzen, die sie bei der Diskussion vorgestellt hatten. Hieraus ist ein Dossier entstanden, das hier als PDF zum Download bereitsteht.

Verantwortlich: Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. November, Berlin

“Media in Lebanon – A System of Crisis for a Nation in Crisis?” – Vortrag

Mit finanzieller Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung

In entspannter Atmosphäre diskutierten Sarah el-Richani und Bodo Straub über das libanesische Mediensystem. Foto: Daniel Walter

In entspannter Atmosphäre diskutierten Sarah el-Richani und Bodo Straub über das libanesische Mediensystem. Foto: Daniel Walter

 

Sarah el-Richani vom St. Antony’s College der Universität Oxford zeigte in ihrem Vortrag auf, wie vielfältig die Medienlandschaft im Libanon ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es kaum unabhängige Zeitungen oder Fernsehsender gibt.

Medien im Libanon hätten eigentlich relativ große Freiheiten, sagte el-Richani. Das liege aber weniger an der liberalen Gesetzgebung, als vielmehr daran, dass der chronisch schwache Staat die relativ restriktiven Gesetze nicht umsetzen kann. Das führt dazu, dass das kleine Land mit etwas mehr als vier Millionen Einwohnern ein enormes Medienangebot mit acht nationalen Fernseh- sowie etlichen Radiosendern und einer Vielzahl an Zeitungen und Zeitschriften aufweist. Viele der Medien dienten jedoch lediglich politischen Parteien als Sprachrohr. Die etwa 35 Gäste brachten sich anschließend in der von Bodo Straub moderierten Diskussion lebhaft ein.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Bodo Straub und Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. November 2017, Berlin

“Jerusalem aus der Perspektive von Infrastruktur” – Der Urbane Nahe und Mittlere Osten Teil 4/4

In Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

 

Rund 35 Gäste waren im Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung anwesend. Foto: Daniel Walter

Rund 35 Gäste waren im Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung anwesend. Foto: Daniel Walter

 

Mit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Botschaft der USA nach Jerusalem zu verlegen, hat die Stadt medial eine breite Aufmerksamkeit erfahren. Einige Tage zuvor widmete sich der vierte Teil der Alsharq-Herbstreihe der Geschichte und Gegegnwart der Stadt aus der Perspektive ihrer Infrastruktur: Sportplätze, Wasserversorgung, Müllabfuhr; all diese Elemente prägen die Versorgung der Bevölkerung mit öffentlichen Gütern. Die geteilte Stadt Jerusalem stellt hier ein besonderes Beispiel dar, was Amina Nolte den rund 40 Gästen anhand ihrer im Rahmen der Promotion gesammelten Forschungsergebnisse plastisch veranschaulichen konnte. Einen besonderen Fokus legte die Referentin hierbei auf die den Ost- und Westteil verbindende Straßenbahn, die wie unter dem Brennglas viele Konfliktlinien dieses urbanen Zentrums veranschaulicht.

Zum Bericht.

Verantwortlich: Amina Nolte und Daniel Walter (Alsharq e.V.)

 

  1. – 8. Dezember, Kuwait-Stadt

“Media Dialogue between Journalists from the GCC Countries and Germany: Focus on the Qatar Crisis” – Workshop

Nach einem Auftaktworkshop in Berlin, bei dem Journalist*innen aus der Golfregion und Deutschland ihre jeweiligen Arbeitskontexte kennenlernten, ging es nun um gemeinsame inhaltliche Arbeit. Beim dreitägigen Workshop in Kuwait bearbeiteten die Journalist*innen die Frage, wie sich die Katar-Krise auf die Medienberichterstattung in der Golf-Region auswirkt. Eine wichtige Erkenntnis: Momentan gibt es kein unabhängiges Medium in der Golf-Region, das für sich beansprucht, ausgewogen über die aktuellen Entwicklungen rund um den Konflikt zwischen Katar und Saudi-Arabien zu berichten. Dem wollen die Workshop-Teilnehmenden etwas entgegensetzen und ein unabhängiges Medium aufbauen.

Verantwortlich: Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

  1. Dezember 2017, Hannover

“Wenn Diplomatie scheitert – alternative Strategien der Konfliktbearbeitung in Israel und Palästina” – Vortrag

Da es seit 2014 keine ernsthaften bilateralen Friedensverhandlungen gibt, lohnt ein Blick auf alternative Instrumente der Konfliktbearbeitung – auf staatlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene. Der Vortragende Christoph Dinkelaker ging zunächst auf Anreiz-Initiativen in Form der Arabischen Friedensinitiative und der von der EU in Aussicht gestellten Privilegierten Partnerschaft mit den Konfliktparteien bei Erreichen eines Friedensabkommen ein. Anschließend blickte er auf das Prinzip “Konsequente Differenzierung” zwischen israelische, Kernland und israelischen Aktivitäten in den besetzten Gebieten. Ebenso erörterte er Potenziale und Fallstricke von Sanktionsstrategien. Im letzten Teil des Vortrags standen die Wirkmöglichkeiten von Dialogprojekten sowie von zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen den status quo im Vordergrund.

Verantwortlich: Christoph Dinkelaker (Alsharq e.V.)

 

 

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