Von | | Ägypten, In eigener Sache, Israel, Jordanien, Palästina, Syrien.

Grafik: Tobias Pietsch. Grafik: Tobias Pietsch.

So kurz er war, so lange prägt er jetzt schon den Nahen Osten: Der Krieg, der heute vor 50 Jahren begann. In einer neuen Serie wollen wir den damaligen Ereignissen nachspüren – und vor allem dem, was sie für uns heute bedeuten.

Dritter arabisch-israelischer Krieg ist ein Name dessen, was sich zwischen dem 5. und dem 10. Juni 1967 zwischen Kairo und Damaskus, zwischen Amman und Mittelmeer abspielte. Manche sagen auch Junikrieg. Sechs-Tage-Krieg, so nennen es die Israelis. Naksa – Rückschlag heißt es ebenso euphemistisch in den arabischen Ländern. Dauer: Eine knappe Woche. Opfer: Zehntausende. Menschen, die dadurch ihre Heimat verloren: Von heute aus betrachtet Millionen. Beteiligte Länder: Israel, Ägypten, Jordanien, Syrien, Palästina, falls man damals von einem Land Palästina sprechen kann.

Aber das alles sind nur Begriffe und Zahlen. Tatsächlich haben die Ereignisse vor 50 Jahren den Nahen Osten, wie wir ihn heute kennen, auf eine so dramatische Art und Weise geprägt wie sonst nur wenig in dieser Zeitspanne. Denn es war mehr als nur ein Krieg, den Israel taktisch brilliant und die arabischen Staaten dilettantisch geführt haben, der einen scheinbar auf die Minute zu beziffernden Beginn und ein scheinbar eindeutiges Ende hatte.

Es war ein lokales Ereignis mit regionalen Schockwellen und globalem Nachhall bis heute. Ein paar Gedankenspiele: Wie wohl der israelische Staat heute aussähe, ohne Siedlerbewegung, aber mit fragileren Grenzen? Ob in Syrien der Assad-Clan ohne diesen Krieg die Macht an sich gerissen hätte, die er bis heute aufs Brutalste verteidigt? Ob es eine erste und zweite Intifada gegeben hätte, wäre das Westjordanland nie besetzt worden? Wie wohl der jemenitische Unabhängigkeitskrieg geendet wäre, und ob der libanesische Bürgerkrieg in dieser Form stattgefunden hätte? Ob der islamische Fundamentalismus heute dieselbe Rolle spielen würde, ohne diese vollständige Niederlage des arabischen Nationalismus?

Auf der Suche nach den Spuren

Bei Alsharq wollen wir uns in den nächsten Tagen und Wochen auf die Suche machen nach den Spuren der Ereignisse von damals, vielleicht nicht in allen, aber doch in vielen Facetten. Wir wollen aufzeigen, wie dieser Krieg nicht nur die Machtstrukturen, sondern auch die gedanklichen Muster nachhaltig verändert hat. Welche Folgen er hatte, auf persönlicher, lokaler, regionaler und globaler Ebene.

Wir sind zu einstigen palästinensischen Dörfern gereist, die heute ein israelischer Nationalpark sind. Wir haben uns die Grüne Linie in Jerusalem angeschaut, wir waren auf dem Golan. Wir haben Zeitungen von damals gelesen. Vor allem aber haben wir, wie wir das bei Alsharq halt so machen, mit Menschen gesprochen, alten und jungen, in der Region, und sie gebeten, uns ihre Sicht der Dinge zu schildern. Denn wie immer wollen wir eigentlich nicht den Nahen Osten erklären, wir wollen ihn rüberbringen.

Macht mit!

Wir freuen uns, wenn Ihr dran bleibt in den nächsten Tagen und Wochen. Während wir diese Zeilen schreiben, ist noch nicht alles tip-top vorbereitet, manches wird auch uns noch überraschen, und daher freuen wir uns auch wie immer sehr über Feedback, Ideen, und wenn jemand spontan mitmachen will, gilt nach wie vor: Schreibt uns gerne. Alsharq ist und bleibt ein Work in Progress, gemacht von vielen.

Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen!

 
 
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