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2015, Demo in Beirut: Frauen fordern mehr Schutz vor innerhäuslicher Gewalt. Zwei Wochen zuvor war eine Frau mit 17 Schüssen von ihrem Mann getötet worden. Foto: Joelle Hatem/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0) 2015, Demonstration in Beirut: Frauen fordern mehr Schutz vor innerhäuslicher Gewalt. Zwei Wochen zuvor war eine Frau mit 17 Schüssen von ihrem Mann getötet worden. Foto: Joelle Hatem/Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Erst letztes Jahr wurde im Libanon ein Gesetz abgeschafft, nach dem Vergewaltiger straffrei blieben, wenn sie anboten, das Opfer zu heiraten. Der Fall zeigt: Frauen im Libanon haben schon viel erreicht – aber es bleibt auch noch viel zu tun. Von Elie Fares.

Der Text erschien zuerst auf Elie Fares‘ Blog A Separate State of Mind. Wir veröffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Ich sehne mich nach dem Tag, an dem wir keinen „Internationalen Frauentag“ brauchen, um die Welt daran zu erinnern, dass ihre Hälften nicht gleich sind, oder an dem der 8. März nicht mehr der Tag für schicke Slogans ist, nur damit alle am 9. März wieder in ihren Trott zurückkehren.

Heute will ich die Frauen in meinem Land feiern, die sich jahrelang gegen das Patriarchat erhoben und für ihre Rechte gekämpft haben, mit allem was sie hatten. Es ist kaum vorstellbar, dass manche der Rechte, die libanesische Frauen heute haben, vor ein paar Jahrzehnten noch reine Fiktion waren. Im Nachhinein sind die Dinge, wie sie sind, völlig klar und einleuchtend, während der Kampf um sie in Vergessenheit geraten ist.

Aber der Kampf der libanesischen Frauen für Gleichheit war hart und er wird es noch viele Jahre bleiben. So lange wir noch Politiker haben, die Witze über Frauen machen – über ihre Vergewaltigung, über ihr Dasein, über ihre Körper – und die sie als nichts anderes sehen, als einen Gebrauchsgegenstand, der zuhause bleibt. Und so lange auch manche Frauen ihrem eigenen Fortschritt Steine in den Weg legen.

Hier eine Liste der Dinge, die unsere Frauen erreicht haben:

  • Seit 1952 haben sie das Recht, zu wählen und gewählt zu werden.
  • Seit 1959 haben nicht-muslimische Frauen gleiche Rechte beim Erbe.
  • Seit 1960 haben sie das Recht, ihre Nationalität zu wählen.
  • Seit 1975 haben sie das Recht auf Bewegungsfreiheit.
  • Seit 1983 haben sie das Recht, straffrei zu verhüten.
  • Seit 1987 gilt für die Sozialversicherung das gleiche Renteneintrittsalter bei Männern und Frauen.
  • Seit 1993 haben sie das Recht, Hochschulabschlüsse im Immobilienbereich zu erhalten.
  • Seit 1994 haben sie das Recht, im diplomatischen Dienst zu bleiben, auch wenn sie einen Ausländer heiraten.
  • 1996 haben sie einen Sieg errungen, als der Libanon das internationale Abkommen zur Abschaffung der Geschlechterungleichheit unterzeichnet hat.
  • 2011 haben sie einen Sieg errungen, als Artikel 562 abgeschafft wurde, der „Ehrenverbrechen“ zuließ.
  • 2014 haben sie einen Sieg errungen, als das Parlament ein Gesetz verabschiedete, das vor häuslicher Gewalt schützt.
  • 2014 haben sie einen Sieg errungen, als die Gesetze zum Mutterschaftsurlaub reformiert wurden.
  • 2016 haben sie einen Sieg errungen, als Artikel 522 abgeschafft wurde, der einem Vergewaltiger Absolution ermöglichte, wenn er anbot, das Opfer zu heiraten.

Der Kampf endet nie. Es reicht nicht aus, wenn ein Präsident sagt, dass er Gleichberechtigung unterstützt, wie Präsident Aoun es heute getan hat. Reden ohne Handeln führt nie zu irgendetwas.

 

 

 

Libanesische Frauen können immer noch nicht ihre Nationalität an ihre Kinder weitergeben. Sie werden von einem Personenstandsrecht regiert, das sich aus religiösen Gesetzen herleitet, die Frauen als das niedrigere Geschlecht betrachten. Es gibt keine Quoten für Vertreterinnen in öffentlichen Ämtern. Frauen können ohne Zustimmung des Vaters keine Bankkonten für ihre Kinder eröffnen oder einfach mit ihren Kindern verreisen – während das gleiche umgekehrt kein Problem ist. Mädchen im Alter von neun Jahren können legal verheiratet werden. Sie sind noch immer dem männlichen Blick ausgesetzt, der in ihnen wenig mehr sieht als ein Stück rohes Fleisch. Und sie sind einem patriarchalen System unterworfen, das sie mehr hinterfragt als jeden Mann. Dies sind nur ein paar Beispiele.

Vermutlich werde ich nie verstehen, wie misshandelt sich Frauen in ihrer eigenen Haut fühlen, aufgrund des Unwohlseins, in das sie viele Leute meines Geschlechts versetzen. Aber ich werde todsicher mit Händen und Füßen darum kämpfen, die Realität für jede libanesische Frau zu ändern, jeden Tag und nicht nur am 8. März.

Der Kampf ist Wirklichkeit. Ihr habt gewonnen. Auf viele weitere Siege.

Aus dem Englischen von Bodo Straub

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